Beitrags-Archiv für die Kategory 'Affe'

Kleiner II

Mittwoch, 12. Mai 2010 10:37

Man mag lächeln bei diesen Worten, spöttisch oder mitleidig; ich verstehe das, Ich hätte vielleicht selbst so belächelt, ehe ich Bunter kannte und den Affen schlechthin nur nach jenen mehr oder weniger degenerierten Exemplaren des Zoologischen Gartens beurteilte, Diese Tiere, die da hinter Gitterstäben dem Scherz der Menge dienen und die niemals ihre Urheimat gesehen haben, können uns nichts mehr erzählen aus der wunderbaren Ursprünglichkeit ihrer Seele, die mit den Stimmen und Zaubern des Urwaldes, dem Wesen der Familie im Hort ihrer Geschlechtsgenossen wächst und geheimnisvoll spricht, diese Tiere sind ja längst das geworden, was die Menschen in ihnen besitzen und belächeln wollen, eben — Affen!

Unser Hamadryas lehrte mich seine Gattung anders kennen, so kennen, dass ich ihn eines Tages plötzlich liebte, diesen treuen und klugen Gesellen liebte, wie man ein Kind liebt, das noch nichts von den Gepflogenheiten der kultivierten Welt in sich weiß, das selbst in seinen Unarten … die ja nur wir als solche zu erkennen uns einbilden . . liebenswert bleibt und unendlich schön und gut, Raderich Tirol hatte Bunter als ganz kleines, doch gut entwickeltes Geschöpf aus seiner afrikanischen Heimat mitgebracht, wo in früheren Zeiten die Bewohner des Landes dem Hamadryas religiöse Ehrfurcht erwiesen; er hatte ihn aufgezogen, gepflegt und zu einem Wesen emporentwickelt, das in vielen, sehr vielen Beziehungen mit dem aller wertvollsten Menschen auf eine Stufe gestellt werden konnte, Da sein Herr ihm dabei nicht jene Schule einer artistischen Dressur angedeihen ließ, die aus den Kreaturen der Wildnis possierliche Komödianten macht, blieb in dem prachtvollen Burschen der Instinkt seiner Heimat lebendig und verlieh jeder seiner, oft zivilisiert anmutenden Handlung den Reiz einer bewunderungswürdigen Selbstverständlichkeit.

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Kleiner Teil 1

Montag, 10. Mai 2010 16:38

Kleiner war Pavian. Sein bester Freund war Billy.

Billy war mein Hund. Ein sehr schöner Wachtelhund, nicht groß, aber klug und treu, ein fröhlicher Bursche mit immer lustigen Augen und hervorragenden Manieren, Anfangs begegneten sich die beiden Tiere mit Mißtrauen, das aber bald einer besseren Regung wich und zuletzt in die innigste Freundschaft ausartete, Ich habe nie- etwas Rührenderes gesehen, als wenn Billy, der gerne außerhalb des Hauses herumstrolchte, abends oder zu sonst einer Zeit heimkam und von Kleiner empfangen wurde.

Mit Billy war Kleiners Kind, aber stets älteres Kind, immer liebend besorgt um das jüngere, fortwährend bemüht um den Freund, ihn mit tausenderlei Liebenswürdigkeiten überhäufend, So zerrte er aufgesparte Leckerbissen aus seinem Winkel hervor, um sie Billy zu verehren, der sicher Hunger bekommen hatte auf seiner Streife, Die ganze Philosophie wurde der Kinderfreude geopfert, wenn Billy kam . . und Kleiner fühlte das Nahen seines Freundes schon, wenn dieser noch außer Sicht war und seine Ankunft noch nicht einmal durch Bellen verriet, Wie närrisch benahm sich der Pavian, wenn dann der kleine Hund endlich da war, Er trug ihn förmlich durch das ganze Haus, schleppte, zerrte ihn treppauf, treppab schwang sich mit ihm in die Schaukel, die er allein benützte . . kurz, zeigte dem Freund sich in einer Besorgtheit und Liebe dienlich, die Menschen beschämen und eines Besseren belehren könnte.

Thema: Affe, Hund, Tierfreundschaften | Kommentare (0) | Autor: admin