Stuten und Hengste
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, weil sich das Handpferd, das auch unterm Sattel gern seinen eigenen Willen durchzusetzen versuchte, wenn es den Reiter mit seinen Gedanken abwesend fühlte, vom Zügel mit einem Aufwerfen des Kopfes freimachte und zu galoppieren begann. Genia gelang es nicht, die Stute zu beruhigen, die nun auch noch ihre Nachbarin zum Springen ermunterte. Beide witterten die Nähe der Herde, sie gingen nicht durch, machten sich aber auch nicht mehr viel aus Genias Zügelkünsten.
»Mir scheint, wir sind gleich da«, sagte die Doktorin, »der Kutscherin rennen ihre Pferde davon.«
Und nach wenigen Minuten hielten sie schon bei der Unterkunft, Thomas kam auf einem der beiden Junghengste von der weiter entfernt weidenden Herde herangaloppiert.
Alle stiegen vom Wagen, die eingespannten Stuten fielen, als ob sie ausgehungert wären, gierig über das Gras her, dem der Morgentau nach der Sonne des Tages immer wieder seine grüne Frische gegeben hatte. Den Stuten rutschten die englischen Kummete über die Hälse, da sie die Nasen tief ins Gras steckten. Thomas’ junger Hengst wollte sie, nachdem sein Reiter abgesessen war und die Besucher begrüßte, gebührend empfangen. Er wieherte, daß es ihn in den Beinen riß, aber die Stuten hoben kaum die Köpfe.
Der junge Hengst suchte nun auf dem Boden die Nasen der Stuten, die ihn jedoch fortstießen.
»Höflich sind die Damen nicht!« sagte Verica und setzte hinzu: »Er übrigens auch nicht!« Denn der Hengst biß die eine Stute in den Widerrist und stieg, um sie mit den Vorderbeinen zu umfangen.