Tag-Archiv für » Kind «

Mutter und Sohn

Samstag, 15. Mai 2010 11:02

»Wenn Söhne zu ihren Müttern zurückfinden und mit ihnen sprechen wollen, dann sind sie nicht selten verliebt«, sagte die Mutter lachend. »Habe ich recht?« »Du hast recht, Mama, aber es ist doch noch etwas Ernstes dabei!«
»Lieber Sohn!« sagte die Mutter gutgelaunt. »Hast du vielleicht deine Herzallerliebste mit dem Kinder¬wagen bei der Bühnentür warten?«
Gerard mußte laut auflachen.
»Nein, Mama, so weit ist es noch nicht ganz!« »Zeig mir ein Bild deiner Angebeteten!«
»Ich habe keins, ich mußte Hals über Kopf fahren und konnte mich gar nicht verabschieden.«
»Militärische Pflichten verderben die guten Sitten. Also, dann beschreib mir das Mädchen!«
Gerard fühlte sich in Verlegenheit. Was ihn an Genia wirklich entzückte, das konnte er der Mutter, so aufgeschlossen sie für ihn war und so jung sie ihm vorkam, wirklich nicht erklären. So sagte er nur, daß sie eine Roßnärrin sei, jung, schlank, eine ausgezeichnete Reiterin.
Sie unterbrach ihn:
»Dann bin ich beruhigt, denn ich habe es an deinem Vater erlebt, was es heißt, mit einem Pferdenarren verheiratet zu sein, während man selbst die feurigsten Rosse für schöne, aber wilde Tiere hält. Dann habt ihr leicht Gesprächsstoff bis zur Silbernen Hochzeit, denn eine anregende Konversation hält eine Ehe, nachdem sie nur wenig erotische Überraschungen mehr zu bieten hat, am besten zusammen.«

Thema: Familie, Liebe | Kommentare (0) | Autor: admin

Kleiner II

Mittwoch, 12. Mai 2010 10:37

Man mag lächeln bei diesen Worten, spöttisch oder mitleidig; ich verstehe das, Ich hätte vielleicht selbst so belächelt, ehe ich Bunter kannte und den Affen schlechthin nur nach jenen mehr oder weniger degenerierten Exemplaren des Zoologischen Gartens beurteilte, Diese Tiere, die da hinter Gitterstäben dem Scherz der Menge dienen und die niemals ihre Urheimat gesehen haben, können uns nichts mehr erzählen aus der wunderbaren Ursprünglichkeit ihrer Seele, die mit den Stimmen und Zaubern des Urwaldes, dem Wesen der Familie im Hort ihrer Geschlechtsgenossen wächst und geheimnisvoll spricht, diese Tiere sind ja längst das geworden, was die Menschen in ihnen besitzen und belächeln wollen, eben — Affen!

Unser Hamadryas lehrte mich seine Gattung anders kennen, so kennen, dass ich ihn eines Tages plötzlich liebte, diesen treuen und klugen Gesellen liebte, wie man ein Kind liebt, das noch nichts von den Gepflogenheiten der kultivierten Welt in sich weiß, das selbst in seinen Unarten … die ja nur wir als solche zu erkennen uns einbilden . . liebenswert bleibt und unendlich schön und gut, Raderich Tirol hatte Bunter als ganz kleines, doch gut entwickeltes Geschöpf aus seiner afrikanischen Heimat mitgebracht, wo in früheren Zeiten die Bewohner des Landes dem Hamadryas religiöse Ehrfurcht erwiesen; er hatte ihn aufgezogen, gepflegt und zu einem Wesen emporentwickelt, das in vielen, sehr vielen Beziehungen mit dem aller wertvollsten Menschen auf eine Stufe gestellt werden konnte, Da sein Herr ihm dabei nicht jene Schule einer artistischen Dressur angedeihen ließ, die aus den Kreaturen der Wildnis possierliche Komödianten macht, blieb in dem prachtvollen Burschen der Instinkt seiner Heimat lebendig und verlieh jeder seiner, oft zivilisiert anmutenden Handlung den Reiz einer bewunderungswürdigen Selbstverständlichkeit.

Thema: Affe | Kommentare (0) | Autor: admin