Tag-Archiv für » Mutter «

Reiz der Jugend

Montag, 17. Mai 2010 7:06

Und schön war Genia. Ihr sonst bubenhaft rechts gescheiteltes Haar hatte Verica, die vom Theater­friseur viel gelernt hatte, hinten aufgesteckt, so daß die edlen Linien des schlanken Halses offenbar wur­den. Das Kleid ließ im Ausschnitt die runden Schul­tern und den Ansatz des festen Busens frei. Verica hatte die Übergänge an den Armen von der Sonnen­bräune zum lichten Ton der Haut meisterhaft durch Teintschminke unsichtbar gemacht.

Wehmütig dachte Joseph, daß das Gute im Leben immer zu spät komme, als er sich von drei schönen Frauen, deren Gewänder ihre Reize unterstrichen, umgeben sah. Er tauschte einen Blick mit dem Gene­ral, der wohl ähnlichen Gedanken nachhing.

Die Mütter bewegten sich, der reifen Schönheit ihrer Formen bewußt, mit lässiger Sicherheit, wäh­rend Genia sich, in ungewohnter Blöße, kaum zu rühren wagte und damit den Reiz ihrer Jugend er­höhte.

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Tanzen

Samstag, 15. Mai 2010 21:05

»Dann lohne es deiner armen alten Mutter, indem du sie zu einem kleinen Tanz führst. Reiter, so weiß ich es noch von deinem Vater, pflegen keine schlechten Tänzer zu sein, und ich glaube, ich habe mich von ihm nach einem Walzer auf einem Ball des Jockeyklubs zum ersten Male küssen lassen.«
Sie gingen über die kleine Tanzfläche, auf der sich nur zwei Paare befanden. Gerard führte seine Mutter zur Bar. Sie ließen sich uralten Kognak servieren, und Gerard bat dann die Kapelle um einen Straußwalzer.
Sie tanzten leicht und beschwingt und hatten rechte Freude aneinander.
»Wo hast du so gut Walzer tanzen gelernt, Bub?« fragte die Mutter.
»Vater sorgte dafür, denn er sagte, ein Reiter müßte sich auf den eigenen Beinen genau so elegant bewegen können, wie er es von seinem Pferde verlangt.«
»Also üben die Pferde doch einen veredelnden Einfluß auf die Menschen aus!«

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Mutter und Sohn

Samstag, 15. Mai 2010 11:02

»Wenn Söhne zu ihren Müttern zurückfinden und mit ihnen sprechen wollen, dann sind sie nicht selten verliebt«, sagte die Mutter lachend. »Habe ich recht?« »Du hast recht, Mama, aber es ist doch noch etwas Ernstes dabei!«
»Lieber Sohn!« sagte die Mutter gutgelaunt. »Hast du vielleicht deine Herzallerliebste mit dem Kinder¬wagen bei der Bühnentür warten?«
Gerard mußte laut auflachen.
»Nein, Mama, so weit ist es noch nicht ganz!« »Zeig mir ein Bild deiner Angebeteten!«
»Ich habe keins, ich mußte Hals über Kopf fahren und konnte mich gar nicht verabschieden.«
»Militärische Pflichten verderben die guten Sitten. Also, dann beschreib mir das Mädchen!«
Gerard fühlte sich in Verlegenheit. Was ihn an Genia wirklich entzückte, das konnte er der Mutter, so aufgeschlossen sie für ihn war und so jung sie ihm vorkam, wirklich nicht erklären. So sagte er nur, daß sie eine Roßnärrin sei, jung, schlank, eine ausgezeichnete Reiterin.
Sie unterbrach ihn:
»Dann bin ich beruhigt, denn ich habe es an deinem Vater erlebt, was es heißt, mit einem Pferdenarren verheiratet zu sein, während man selbst die feurigsten Rosse für schöne, aber wilde Tiere hält. Dann habt ihr leicht Gesprächsstoff bis zur Silbernen Hochzeit, denn eine anregende Konversation hält eine Ehe, nachdem sie nur wenig erotische Überraschungen mehr zu bieten hat, am besten zusammen.«

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