Tag-Archiv für » Probleme «

Mutter und Sohn

Samstag, 15. Mai 2010 11:02

»Wenn Söhne zu ihren Müttern zurückfinden und mit ihnen sprechen wollen, dann sind sie nicht selten verliebt«, sagte die Mutter lachend. »Habe ich recht?« »Du hast recht, Mama, aber es ist doch noch etwas Ernstes dabei!«
»Lieber Sohn!« sagte die Mutter gutgelaunt. »Hast du vielleicht deine Herzallerliebste mit dem Kinder¬wagen bei der Bühnentür warten?«
Gerard mußte laut auflachen.
»Nein, Mama, so weit ist es noch nicht ganz!« »Zeig mir ein Bild deiner Angebeteten!«
»Ich habe keins, ich mußte Hals über Kopf fahren und konnte mich gar nicht verabschieden.«
»Militärische Pflichten verderben die guten Sitten. Also, dann beschreib mir das Mädchen!«
Gerard fühlte sich in Verlegenheit. Was ihn an Genia wirklich entzückte, das konnte er der Mutter, so aufgeschlossen sie für ihn war und so jung sie ihm vorkam, wirklich nicht erklären. So sagte er nur, daß sie eine Roßnärrin sei, jung, schlank, eine ausgezeichnete Reiterin.
Sie unterbrach ihn:
»Dann bin ich beruhigt, denn ich habe es an deinem Vater erlebt, was es heißt, mit einem Pferdenarren verheiratet zu sein, während man selbst die feurigsten Rosse für schöne, aber wilde Tiere hält. Dann habt ihr leicht Gesprächsstoff bis zur Silbernen Hochzeit, denn eine anregende Konversation hält eine Ehe, nachdem sie nur wenig erotische Überraschungen mehr zu bieten hat, am besten zusammen.«

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kaltes Wasser

Freitag, 7. Mai 2010 19:36

Als sie sah, daß seine Hände durch die Probleme wieder unruhig wur­den, ging sie zu ihm und setzte sich auf die Kante seines Schreibtisches.

Sie legte einen Arm um seinen Hals und sagte:

»Lieber, alter Joseph, Ihnen graust jetzt nur vor dem kalten Wasser. Wenn Sie aber einmal hinein­getaucht sind, dann schwimmen Sie auch.«

»kaltes Wasser, kaltes Wasser . . .« sprach der alte Joseph vor sich hin. »Warum sprechen Sie nicht aus, was kaltes Wasser ist?«

»Weil ich Umschreibungen liebe, Joseph«, ant­wortete sie, »aus persönlichen Gründen liebe, wie ich für Mord gern Rache sage, für Überwältigung gern Bestimmung und für Probleme nun eben kaltes Wasser.«

Joseph schwieg. Sie sah, wie er sein peinlich gut rasiertes Kinn bewegte, als kaue er an ihren Worten, die Erinnerungen in ihm wachgerufen hatten.

»Beißen Sie nicht bitter in sich hinein, mein Lieber! Die Dinge sind nicht mehr der Rede wert, auch nicht des Gedankens …«

»Glauben Sie, ich wäre nicht unbeschwert?« fragte die Doktorin den Alten. »Ich muß es sein, um dem begegnen zu können, was kommt!«

»Was nachkommt, pflegt stets das Ärgere zu sein, gnädige Frau!«

»Ich freue mich, daß Sie schon mit den künftigen Tatsachen rechnen, Joseph. Aber was man zweimal überstanden hat, bringt einen zum drittenmal kaum um«, sagte die Doktorin und bog die Reitgerte, die sie von ihrem Schreibtisch nahm, in den Händen.

Thema: Umgang mit Problemen | Kommentare (0) | Autor: admin