Männer und Pferde
Sonntag, 16. Mai 2010 8:17
»Verica, ich war ein großer Esel«, bekannte er. »Ich hätte dich mir erhalten sollen!«
»Die Schuld lag auch bei mir«, lächelte sie, »ich war damals noch eitel aufs Theater, nun ist es mein Lebensinhalt, und ich war eifersüchtig auf die Pferde, die ich heute zu retten gekommen bin! — Gehen wir zu den anderen! Sonst wird mir die Doktorin eifersüchtig, und dazu habe ich sie schon viel zu gern, weil sie meinem — verzeih, unserem Sohne ihre wirklich reizende Tochter zur Frau geben will.«
»Ich sitze also zwischen zwei Stühlen, Verica«, sagte der General in komischer, liebenswert männlicher Verlegenheit.
Sie griff nach seiner Hand und sagte:
»Lieber Freund, das ist das Schicksal aller alten Herren, die es mit der eigenen Frau nicht ausgehalten haben. Nimm vorlieb mit den Pferden. Sie sind bestimmt besser und redlicher als Frauen!«
General Ramin küßte ihr die Hand und behielt sie lange an seinen Lippen. Verica strich ihm über die Wange und sagte:
»Komm, laß uns gehen! Ich hab dich ja noch immer ganz gern …«
Thema: Familie, Liebe, Pferde | Kommentare (0) | Autor: admin