Tag-Archiv für » Tochter «

Reiz der Jugend

Montag, 17. Mai 2010 7:06

Und schön war Genia. Ihr sonst bubenhaft rechts gescheiteltes Haar hatte Verica, die vom Theater­friseur viel gelernt hatte, hinten aufgesteckt, so daß die edlen Linien des schlanken Halses offenbar wur­den. Das Kleid ließ im Ausschnitt die runden Schul­tern und den Ansatz des festen Busens frei. Verica hatte die Übergänge an den Armen von der Sonnen­bräune zum lichten Ton der Haut meisterhaft durch Teintschminke unsichtbar gemacht.

Wehmütig dachte Joseph, daß das Gute im Leben immer zu spät komme, als er sich von drei schönen Frauen, deren Gewänder ihre Reize unterstrichen, umgeben sah. Er tauschte einen Blick mit dem Gene­ral, der wohl ähnlichen Gedanken nachhing.

Die Mütter bewegten sich, der reifen Schönheit ihrer Formen bewußt, mit lässiger Sicherheit, wäh­rend Genia sich, in ungewohnter Blöße, kaum zu rühren wagte und damit den Reiz ihrer Jugend er­höhte.

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Männer und Pferde

Sonntag, 16. Mai 2010 8:17

»Verica, ich war ein großer Esel«, bekannte er. »Ich hätte dich mir erhalten sollen!«
»Die Schuld lag auch bei mir«, lächelte sie, »ich war damals noch eitel aufs Theater, nun ist es mein Lebensinhalt, und ich war eifersüchtig auf die Pferde, die ich heute zu retten gekommen bin! — Gehen wir zu den anderen! Sonst wird mir die Doktorin eifersüchtig, und dazu habe ich sie schon viel zu gern, weil sie meinem — verzeih, unserem Sohne ihre wirklich reizende Tochter zur Frau geben will.«
»Ich sitze also zwischen zwei Stühlen, Verica«, sagte der General in komischer, liebenswert männlicher Verlegenheit.
Sie griff nach seiner Hand und sagte:
»Lieber Freund, das ist das Schicksal aller alten Herren, die es mit der eigenen Frau nicht ausgehalten haben. Nimm vorlieb mit den Pferden. Sie sind bestimmt besser und redlicher als Frauen!«
General Ramin küßte ihr die Hand und behielt sie lange an seinen Lippen. Verica strich ihm über die Wange und sagte:
»Komm, laß uns gehen! Ich hab dich ja noch immer ganz gern …«

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